Studio Linie rosenthal

Studio Linie

Rosenthal Studio Linie seit 1961

Ab 1954 liess die Firma Rosenthal im Fachhandel des In- und Auslandes Exklusiv-Abteilungen und 1960 die ersten Studio-Häuser für zeitgemäßes Design einrichten. Auf einer Pressekonferenz während der Hanover Messe 1961 erläuterte Philip Rosenthal jun. das neue Firmenkonzept:

„Rosenthal will mit seiner Studio Linie Verleger des Guten sein, gleich aus welcher künstlerischen Richtung es kommt, solange es gekonnt, aus unserer Zeit heraus empfunden sowie funktions- und materialgerecht ist. Die Idee der Studio Linie, ist keinesfalls nur auf weltfremden Idealismus aufgebaut, sondern auf der Erkenntnis, dass nur durch echte Leistungen der Verbraucher dazu gebracht werden kann, den Produkten der Tischkultur und der häuslichen Sphäre ein grösseres Interesse und damit einen grösseren Anteil an seiner Kaufkraft zuzuwenden.“


Wunderlich 1
Teeforelle Attersee 3
Naomi 1
Color Morandini 2

Nach auffälliger Orientierung der Firma Rosenthal an amerikanischen Design seit 1950, gewinnt Ende der fünziger Jahre der skandinavische Stil grossen Einfluss. Finnische Designer waren mit dem überraschenden Erfolg ihres Landes auf der IX. Triennale in Mailand 1951 fast über Nacht zu Stardesignern geworden. Dies galt vor allem für Tapio Wirkkala, den Organisator und Gestalter des finnischen Beitrages dieser Ausstellung. Bevor er 1956 erstmals Porzellanvasen für die Kunstabteilung des Werkes Selb entwarf, gehörte er für ein Jahr zum Designerteam Raymond Loewys. 1962 wurde sein erster Serviceentwurf für Rosenthal auf der Hannover-Messe vorgestellt. Weitere Entwürfe folgten in den Jahren 1963, 1967, 1968 und 1973. Das Service „Century“ des Jubiläumsjahres 1979 wird extrem dünnwandig mit einer dem chinesischen Reiskornmuster ähnlichen Oberflächenstruktur produziert und besitzt Bügelgriffe aus Metall an Kannen und Terrinen. Bereits 1963 hatte die Firma Rosenthal mit einem Teeservice aus Porcelaine noire – ebenfalls von Tapio Wirkkala – diese Kombination von Porzellan und Metallhenkeln eingeführt.

Auch Timo Sarpaneva wählte 1976 für sein Porzellanservice Suomi Metallbügel, die die ästhetische Wirkung der Gefäße noch steigern. Wie Wirkkala ist auch sein Landsmann Sarpaneva, der seit 1968 für die Firma Rosenthal entwirft, nicht ausschliesslich Porzellandesigner. Beide arbeiteten seit Jahrzehnten für die Glasfabrik littala, und ihre Glasentwürfe trugen viel zum guten Ruf des finnischen Kunsthandwerks bei.

Die populärste Persönlichkeit im Kreise der Rosenthal Designer war ohne Zweifel der dänische Kunsthandwerker und Bühnenbildner Björn Wiinblad. Seit 1957 entwarf er in seiner unverkennbaren fröhlich-burlesken Handschrift eine Vielzahl figürlicher und ornamentaler Dekore von meist sprühender Farbigkeit, vorzugsweise zu Themen des Musiktheaters. Typische Merkmale seiner Service sind rundliche Birn- und Zwiebelformen. Wie Wirkkala schuf auch Wiinblad für die Firma Rosenthal vollständige Tischausstattungen, deren Gesamtwirkung aus Porzellan, Glas und Metall die Firma als Rosenthal-Dreiklang-propagiert.

Über die Aufnahme von neuen Erzeugnissen in das Studio Linie Programm lies die Firma Rosenthal stets eine unabhängige Jury von Design-Experten mitentscheiden. Ehemaliges Mitglied dieser Jury war Arnold Bode (1900-1977), Professor an der Hochschule für bildende Künste in Kassel und Initiator der Documenta. Er regte 1964 eine Porzellanrelief-Edition bei der Firma Rosenthal an, die in der Geschichte des Porzellans neuartig war. Im Prospekt zur ersten Präsentation dieser Porzellan-Multiples im Kölnischen Kunstverein 1968 beschreibt Boden die Impulse, die zu dieser Reihe geführt hatten: „Die Bildhauer waren den Malern gegenüber in einer Hinsicht immer im Nachteil. Eben dann, wenn sie ihre originalen Formerfindungen vervielfältigen wollten. Während die Maler von jeher die Chance hatten, mit Hilfe der Drucktechnik ihre Kunst zu verbreiten, mussten sich die Bildhauer mit einigen wenigen Bronze-Abgüssen begnügen. Das ist ein wirkliches Handikap für die plastische Kunst.

Denn auch diese schöpferische Richtung hat im Zeitalter der Reproduzierbarkeit – ein Anrecht auf grössere Verbreitung. Solche Gedanken kamen uns zum erstenmal zur Zeit der III. Documenta, als es darum ging, die Graphik-Edition der Documenta-Foundation auch auf die Plastik auszuweiten. Und damals noch befangen in der Analogie zur Grafik, sind wir auf die Idee gekommen, den Künstlern die Herstellung reproduzierbare Reliefs vorzuschlagen. Als Materila bot sich dafür Porzellan an: zum einen, weil dieser Stoff etwas Kostbares hat und sinnlich-haptisch reizvoll ist, ohne darum kostspielig zu sein; zum anderen weil Philip Rosenthal interessiert daran war, mit guten Künstlern zusammenzuarbeiten, um der Porzellanskultpur zu einer Renaissance zu verhelfen.“ Die Ausstellung sollte Anstoß und Experiment zugleich sein; sie sollte auf neue Verwendungs- und Vervielfältigungsmöglichkeiten des Porzellans aufmerksam machen.

Arnold Bodes Ankündigung einer verstärkten Hinwendung zum freiplastischen Porzellankunstwerk nach Entwürfen zeitgenössischer Künstler hat in der Objekt-Reihe mit den Arbeiten des Bildhauerpaares Matschinsky-Denninghoff und Marcelo Morandinis im Jahr 1980 einen neuerlichen Höhepunkt gefunden. Bodes Hoffnung, die Porzellankunst könne sich zu einer seriellen Kunst entfalten, ging jedoch bisher nicht in Erfüllung. Nicht nur von seiten der Künstler gab es verständliche Einwände – zum Beispiel Henry Moore gestattete bei seinen Entwürfen nur eine Auflage von je sechs Exemplaren – auch den Modellen sind durch das Brennverhalten gewisse Grenzen gesetzt, und schliesslich wäre eine unbeschränkte Auflagenhöhe auch wegen des hohen Ausfalls bei den zum Teil speziell entwickelten Produktionsverfahren wirtschaftlich nicht zu vertreten.

Auf der Suche nach neuen Oberflächengestaltungen für Geschenkartikel brachte die Firma Rosenthal 1970 die damals aktuelle Konkrete Poesie von Eugen Gromringer und Franz Mon als dekorative Schriftreliefs auf Zylindervasen. Diese Verquickung von Wort-Sinn und Schrift Bild mit dem haptischen Reiz des Reliefs war der erste Versuch der Rosenthal Studio Linie, Kunst und Gebrauchsgegenstände aus Porzellan zu verbinden.

Bei weiteren Versuchen, Design und freischöpferische Dekor-Intentionen zu vereinen, entstanden in der Firma Rosenthal die limitierte Serie der Suomi-Objekte 1976/77 und ab 1978 die unlimitierten Künstler Service. Die Künstler wählten dabei selbst den ihrer Ideen entsprechenden Dekorträger aus.

In dem Bestreben, neue Produktqualitäten zu erschliessen, hat die Firma Rosenthal nunmehr drei Phasen durchlaufen. Beginnend mit dem Design-Konzept der Rosenthal Studio Linie Ende der fünfziger Jahre und ihrer erfolgreichen Durchsetzung in den sechziger Jahren, stand hinter dem Firmenmotto „Mit Kunst leben“ die Idee der Zusammenführung von freier und angewandter Kunst sowie der Hinwendung zum reinen Kunstobjekt.

Auf die Design-Konzeption blieb diese Entwicklung nicht ohne Auswirkungen. Bereits 1971 war von Luigi Colani, dem Enfant terrible unter den Designern, ein Teeservice von unkonventioneller hydrodynamischer Gestaltung kreiert worden. 1980 modellierte der Wiener Maler Ernst Fuchs ein phantastisches Teeservice bei dem Gefäßkörper, Tülle und Henkelformen von Sahnebaisertorten und dem aufsteigenden Duft des Tees inspiriert zu sein scheinen. Er erteilte damit den Normen der Funktionalität eine höchst eigenwillige Absage.

Mit derartig mutigen, bewußt provokanten und teilweise auch riskanten Versuchen, Kunst wieder verstärkt in den Alltag zu integrieren, war die Absicht der Firma Rosenthal deutlich, eine Sensibilisierung für das von zeitgenössischen Künstlern entworfene oder verzierte Gebrauchsgerät zu bewirken und das Interesse an Kunstwerken aus Porzellan neu zu beleben.

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Auf dem Sockel rückseitig signiert Silvio Dasio (Signed backwards on the base) Ausführung Porzellanmanufaktur Rosenthal um 1920 Dunkelgrüner Manufakturstempel Selb Bavaria unterseitig (Dark green manufacturing stamp Selb Bavaria on the underside) Coloured Porcelain Figure Figurine Höhe 37 cm

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