PORZELLAN – EINE GESCHICHTE

Die Geschichte des europäischen Porzellans ist eine Geschichte des Argwohns und der vergeblichen Geheimhaltung – und zwar von dessen Nacherfindung 1708 bis zum heutigen globalen Markt. Gleichzeitig ist es eine Story um finanzielle Spekulationen und Bankrotteure. August der Starke, der seine Kriegskassen mit dem Verkauf des Weißen Goldes zu füllen trachtete, setzte den Porzellanerfinder Johann Friedrich Böttcher samt seinen grossen Wurf dreizehn Jahre lang auf der Albrechtsburg fest. Trotzdem tauchte kurz darauf die begehrte Rezeptur an anderen europäischen Fürstenhöfen auf. Ohnehin florierte der Verkauf der Kostbarkeiten aus der 1710 gegründeten Meissner Porzellanmanufaktur weit weniger gut als erträumt. Die bald allerorten gegründeten königlichen und fürstlichen Porzellanmanufakturen blühten rasch auf, fielen aber häufig ebenso rasch dem Niedergang anheim. Im 21. Jahrhundert ist es nicht viel anders. Zahlreiche Patentanwälte bewegen sich auf der Frankfurter Konsumgütermesse, um Kopisten das Handwerk zu legen. Häufig leider vergeblich.

Früher war Porzellan Luxus, den sich nur Könige und Fürsten leisten konnten. Heute ist das „weiße Gold“ ein Alltagsgegenstand, das in keinem Haushalt mehr fehlt. Das Porzellanikon in Selb und Hohenberg zeigte in der einzigartigen Ausstellung „Königstraum und Massenware“ die 300 jährige Erfolgsgeschichte des Porzellans in Europa. Mehr als 1.000 Exponate aus 17 Nationen wurden für die Schau zusammengetragen. Auch wenn das Porzellan in den zurückliegenden Jahrhunderten zur Massenware geworden ist, hat es an Anziehungskraft nicht verloren. Porzellan ist weltweit gefragt, nutzbringend und heiß geliebt, betont Museumschef Wilhelm Siemen. Sein „Porzellanikon“ ist mit 11.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche das größte Spezialmuseum für Porzellan in ganz Europa. Unter dem Namen sind das Deutsche Porzellanmuseum in Hohenberg an der Eger sowie das Europäische Industriemuseum für Porzellan, das Rosenthal Museum und das Europäische Museum für Technische Keramik in Selb zusammengefasst.

24.04.2010: Jubiläumsausstellung „Königstraum und Massenware“ 300 Jahre europäisches Porzellan im Porzellanikon Selb und Hohenberg a.d.Eger mit 1000 Gästen eröffnet. Ein Traum wird heute für uns wahr: „Wir eröffnen Europas größte Porzellanausstellung im Jubiläumsjahr 2010! Stolz und freudig begrüßte der Direktor des Porzellanikons Selb und Hohenberg a.d.Eger, Wilhelm Siemen, am Samstag im Beisein von rund 1000 Gästen die Ausstellung „Königstraum und Massenware. 300 Jahre europäisches Porzellan.“ Darunter waren auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch eine internationalen Kuratorenriege.

Anlass der Ausstellung in Nordbayern ist das 300jährige Jubiläum des Beginns der europäischen Porzellanproduktion in Meißen. Eine mehr als vierjährige Vorbereitungszeit fande damit ihren Schlusspunkt. Gut 1000 Exponate, darunter Leihgaben von 100 Museen und Sammlungen aus 17 Nationen, ergänzten die Stücke aus den eigenen Museumsbeständen. Die Ausstellung zeigte auf 3500 m2 damit einen weltweit einmaligen und spannend inszenierten Überblick über die Entwicklung des europäischen Porzellans von 1710 bis heute. Jeder der diese Ausstellung nicht besuchte, hat wirklich etwas versäumt.