Nymphenburg Porzellan

NYMPHENBURG Porzellan

ANTON BUSTELLI

Bereits im Jahre 1729 hatte der aus Dresden stammende Spiegel-und Glasmacher Elias Vater in München Versuche zur Herstellung von echtem Porzellan gemacht, ohne sein Ziel zu erreichen. Mehr Erfolg war dem Töpfermeister Johann Baptist Niedermayer beschieden, der 1747 mit Unterstützung des Kurfürsten Max III. Joseph in der Münchener Vorstadt Neudeck ob der Au neben dem Paulanerkloster eine Porzellanfabrik errichtete. Aber erst seit der Berufung des Wiener Arkanisten Joseph Ringler im Jahre 1753 und seit der Verstaatlichung des Unternehmens kam die Fabrik in Gang und produzierte Nymphenburg Porzellan

Die Manufaktur Nymphenburg war dem Präsidenten des „kurfürstlichen Münz- und Bergwerkskollegiums“, Sigmund Graf von Haimhausen, unterstellt. Ringler blieb nur wenige Monate bei der Fabrik, doch hatte ihn der „Chymikus“ und spätere „würkliche Hof-Camer-Rath“ J. P. Rupert Härtl offenbar so geschickt ausgehorcht, daß die Manufaktur auch ohne seine Hilfe auskam. Im Anfang des Jahres 1761 erfolgte die Verlegung der Fabrik in ein besonders errichtetes Gebäude im Schloßrondell zu Nymphenburg, und Graf Haimhausen erhielt die selbständige Direktion. 1765 war das Personal der Fabrik auf 300 Personen angewachsen.

Trotz des außerordentlichen künstlerischen Aufschwunges blieb der materielle Erfolg aus, und der Kurfürst mußte namhafte Zuschüsse zahlen, damit der Betrieb aufrechterhalten werden konnte. Mit dem Tode Max Josephs (1777) ging die bayrische Kurwürde auf Karl Theodor von der Pfalz über, und dieser bevorzugte begreiflicherweise seine Frankenthaler Fabrik. Das änderte sich erst, als die pfälzische Manufaktur den Stürmen des Krieges zum Opfer fiel und schließlich im Jahre 1800 einging. J. P. Melchior und eine Reihe tüchtiger Arbeiter der Frankenthaler Manufaktur siedelten damals nach Nymphenburg über. Die Vereinigung des Fürstentums Passau mit Bayern ermöglichte die ungehinderte Ausbeutung der berühmten Kaolinlager.

ANKAUF NYMPHENBURG PORZELLAN

Ankauf von Nymphenburg Porzellan Servicen und Porzellanfiguren von Franz Bustelli – Isabella und Octavio aus der Commedia dell’arte. Modell von Franz Anton Bustelli.

Nymphenburg Porzellan

STAATLICHE MANUFAKTUR NYMPHENBURG

Bis 1862 wurde die Porzellanmanufaktur Nymphenburg als rein staatliche Manufaktur weiter betrieben. Von da an wurde sie verpachtet. Über der unvergleichlichen Figurenplastik von Nymphenburg vergisst man nur zu leicht, daß die Gefäß- und Gerätekunst ein sehr achtbares Niveau einnimmt. Die Geschirrmuster können freilich kaum als besonders originell bezeichnet werden. Typisch bayrischen Charakter tragen Geschirre in bewegten Formen mit blattartig aufliegendem Rocaillewerk, dessen Ränder mit verschiedenen Farben (Blau, Purpur, Grün, Gold) gehöht sind. Der Dekor spielt stets die Hauptrolle bei den Nymphenburger Geschirren.

Ein beliebtes Gerät, das sich in zahllosen Exemplaren erhalten hat, war offenbar das Rechaud. An ihm kann man die Wandlungen vom lebendigen Rocaillestil bis zum steifen Klassizismus gut verfolgen. Bei der Blumenmalerei lassen sich zweierlei Richtungen feststellen: Die eine lehnt sich anscheinend an Stichvorbilder an und ist etwas steif und pedantisch; die andere hält sich mehr an die Natur, die Blumen sind meist dicht zusammengedrängt und farbig sehr frei behandelt. Ein Beispiel der letzteren Art (um 1765) gibt die Schüssel in Abb. 113 aus einem Service, das sehr beliebt gewesen sein muß. Hier gesellen sich zu den bunten Blumen Schmetterlinge. Der Rand ist von feinem Goldlinienornament umsäumt.

Als Vorbilder für die ornamentale und figürliche Malerei dienten meist Augsburger Stiche, vor allem aus der Werkstatt von J. E. Nilson, dessen Einfluß auf die dekorative Kunst des Rokoko in Bayern sehr stark gewesen ist. Nilson war einer der Hauptvermittler des späten französischen Rokoko; aber er hat den Stil in geistreicher Weise ausgedeutet und weiterentwickelt, so daß man von einem ausgesprochen bayrischen Rokoko reden kann. Der in Abb. 114 wiedergegebene Stich „Die Hirtenmusik“ ist für den Dekor einer Teekanne im Berliner Kunstgewerbemuseum benutzt worden.

Sehr beliebt waren Bauernszenen in der Art von Teniers. Die figürlichen Malereien sind fast stets in bunten Farben gehalten (Hellblau, Gelb, Purpur, Grün). Eine Eigentümlichkeit von Nymphenburg sind kupfergrüne Landschaften in goldenen Rocaillespalieren. Ganz im Geiste Nilsons ist ein Geschirrdekor spalierartiger Rocaillebögen in Purpur mit goldenen Ranken und Springbrunnen. Die Gefäße und Geräte der klassizistischen Epoche mit ihren architektonisch strengen Formen ließen der Malerei nur wenig Selbständigkeit.