Metzler & Orloff Teil 1

Ilmenau Metzler & Orloff (Teil 1)
Aeussere Geschichte bis 1945

Der Grundbesitz der Firma Gebrüder Metzler & Ortloff in Ilmenau umfasste:

  • die Fabrikgrundstücke an der Bergstrasse (frühere Büchsloher Chaussee) und Wilhelmstrasse,
  • die Massemühle an der Schleusingerstrasse,
  • den Anteil am Mühlgraben, welcher letzterer oberhalb der ehemaligen Korb’schen Schneidemühle im Manebacher Tal die Ilm verlässt und an der Schleusingerstrasse in Ilmenau beim Gasthof „Zur Tanne“ ihr wieder zufliesst. Der Anteil betrug ein Fünftel. Die übrigen Fünftel waren in anderen Händen.

Früheres Kupferbergwerk

Auf den Fabrikgrundstücken an der Bergstrasse (früheren Bücheloher Chaussee) und jetzigen Wilhelmstrasse wurde von 1857 – 1860 durch eine „Sächsisch-Thüringische Kupferbergbau- und Hüttengesellschaft“ ein Kupferbergwerk betrieben, das wegen geringer Ergiebigkeit schliesslich stillgelegt wurde. Von den Bergwerksgebäuden sind heute noch vorhanden das mächtige, massive Schachthaus und die unmittelbar daran anstossenden ebenfalls massiven Betriebsgebäude, während ein ehemaliges östlich seitab stehendes Knappenhaus und Lagergebäude verschwunden und der ursprünglich vorhandene hohe Schornstein im Hofe im laufe der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts allmählich eingestürzt sind.

Ein Bild aus dem Jahre 1858 zeigt die damaligen Gebäude; es trägt die Unterschrift „Tiefbau-Anlage der Sächsisch- Thüringischen Kupferbergbau- und Hüttengesellschaft, entworfen und erbaut von B. Singer 1857-1858 (Revier Ilmenau). Unter dem Schachthaus steht „Carl-August-Schacht“. Mit dieser Bergbaugesellschaft hatte es folgende Bewandtnis: 1854 reichten der Kgl. preuss. Major a. D. Carl von Nutzer in Dornburg b. Bochum und der preuss. Bergamtsassessor a. D. Heinrich Thies in Essen ein Gesuch ein, die Nutzung auf metallische Mineralien bei Ilmenau betreffend. Daran schloss sich 1857 die Gründung der „Sächsisch-Thüringischen Kupferbergbau- und Hüttengesellschaft“ in Ilmenau an. Die Gesellschaft versuchte die Lösung des Flötzes durch einen Tiefbau zu bewirken, da die Heranholung eines tiefen Stollens von Gera b. Elgersburg oder von Plaue, wie ihn der Bergrat Voigt projektiert hatte, zu viel Zeit und Kosten verursacht haben würde. Der Haupt-Tiefbauschacht wurde wesentlich des Neuhoffnungsschachtes im Mittelfeld (bei der späteren Porzellanfabrik von Gebrüder Metzler & Ortloff) abgeteuft, mit „Carl-August-Schacht“ bezeichnet und bis Ende Januar 1859 bei 52 Lachter Tiefe bis auf das Flötz niedergebracht. Wie vorauszusehen war, hatte sich hier sowohl das Flötz, wie das liegende nicht als abbauwürdig erwiesen. Die Hauptaktionäre benutzten diese ungünstige Wendung dazu, um von ihrer Verpflichtung, weitere Einzahlungen zu machen, loszukommen, was ihnen auch durch die beschlossene Auflösung der Aktiengesellschaft im Jahre 1860 gelang. (Aus dem Verwaltungsbericht des Bürgermeisters Eckardt, Ilmenau 1891, Seite 100.)

Erwerb durch Höhn

Nach Stilllegung des Betriebes der Gesellschaft erwarb der Kaufmann Gustav Adolf Höhn von Ilmenau (geb. 19.05.1805; gest. 4.11.1873) das, in der ehemaligen Münze in der Amtstrasse das gesamte Terrain (im Kataster bezeichnet als „Bergwerk neben der Bücheloher Chaussee im Mittelfeld) am 19.3.1863. Er kaufte weiter am 20.1.1865 von dem Weissgerbermeister Carl Elian Friedrich Müller in Ilmenau für 2600 Thaler dessen „Walkmühle an der Schleusingerstrasse“, die jetzige Massemühle der Firma Gebr. Metzler & Ortloff, sowie Müllers 1/5 Anteil am daran vorbeifliessenden Mühlgraben. Der Erwerb geschah zum Zwecke des Betriebes einer Tonwarenfabrik. Im Vertrag mit Müller wird Höhn als Tonwarenfabrikant bezeichnet.

Eintritt der Brüder Metzler

Bis zum April 1873 war Höhn Alleineigentümer der Fabrik nebst Walkmühle und Mühlgrabenanteil. Unterdessen suchte und fand er zwei Teilhaber in den Brüdern Rudolf Metzler (Kaufmann) und Robert Metzler (Modelleur) aus Sonnneberg, denen er durch Vertrag vom 31.12.1872 (gerichtlich bestätigt am 19.4.1873) zwei Drittel des Besitzes verkaufte. In der Bestätigungsurkunde ist er als „Partionlier“ aufgeführt. Die beiden Metzler waren damals in Gräfental in Stellung. Vor dem Ilmenauer Justizamt wurden sie durch den Kämmereiverwalter Friedrich Höring in Ilmenau vertreten. Der Kaufpreis für die zwei Drittel betrug 5000 Thaler, wovon 1500 Thaler für das Inventar gerechnet wurden. 1500 Thaler sollten am 1.1.1873 gezahlt werden, weitere 1500 Thaler am 1.1.1882, der Rest von 2000 Thalern sollte durch Übernahme der Hälfte einer 4000 Thaler betragenden Hypothek des Ziegelleibesitzers Leopold Häusgen in Unterpörlitz (Häusgen Emanuel Leopold, geboren in der Ziegelhütte bei Ilmenau (gehörte zu Unterpörlitz) 30.6.1824, gestorben Ilmenau, Bahnhofstrasse, 19.8.1894) beglichen werden, die auf der Fabrik (ohne Walkmühle und Mühlgraben) haftete.

Die am 1.1.1882 fälligen 1500 Thaler wurden auf den an die Brüder Metzler abgetretenen zwei Dritteln an Fabrik und Walkmühle (nicht auch Mühlgraben) hypothekarisch eingetragen. Seitdem hiess die Firma „Höhn & Metzler“, Eingetragen ins Handelsregister: 18.4.1873, Band II., Blatt 246, der Firmenakten. Das Eigentum an den Grundstücken (Fabrik, Mühle, Mühlgrabenanteil) stand Höhn, Rudolf Metzler und Robert Metzler zu je einen Drittel zu.

Das Sozietätsverhältnis dauerte jedoch nicht lange. Die Fabrik, nunmehr Porzellanfabrik, ging nicht, trotz aller anzuerkennenden Bemühungen der Brüder Metzler & Ortloff. Es fehlte an Betriebsmitteln, an Kunden und vor allem an einer fachmännischen Leitung. Höhn war kein Fachmann, dazu bereits 60 Jahre alt. Die Brüder Metzler waren ebensowenig Fachleute. Sie hatte sich auf ein Unternehmen eingelassen, von dem weder der eine, noch der andere etwas verstand. Höhn ahnte ein Misslingen und erklärte schon nach etwa einundeinem halben Jahre, er wünsche auszuscheiden. Die Brüder Metzler erkannten sofort, dass sie dadurch finanziell in eine schwierige Lage kommen konnten. Denn das Ausscheiden Höhns würde nicht ohne Aderlass für sie abgehen. Ging aber das ganze Geschäft aus dem Leim, so verloren sie, mindestens zum Teil, ihre eingebrachten Gelder, eigene und geborgte. Ihre Versuche, Höhn zum Bleiben zu bewegen, schlugen fehl. Er blieb Standfest.

Ausscheidens Höhnt

Am 13.7.1875 zeigte er dem Justizamt an, dass er „aus dem Sozietätsverhältnis, welches seit dem 1.3.1873 zwischen ihm und den Brüdern Metzler unter der Firma HÖhn & Metzler betanden habe“, ausgeschieden sei. Den Brüdern Metzler blieb nichts übrig, als sich damit abzufinden und das dem Gericht am 28.7.1875 zu Protokoll zu erklären.

Ansprüche Höhnt

Höhn liese sich seinen Austritt noch gehörig bezahlen:

  • Für sein Ausscheiden allein hatten die Brüder Metzler zunächst 5000 Thaler in bar an ihn zu zahlen.
  • Aktiva und Passiva der Firma hatten sie zu übernehmen.
  • Weiter mussten sie eine Schuld Höhns von 1000 Thalern, die er an seine Schwiegermutter, die Witwe Christiane Tuscinsky geb. Reinitz (Witwe des Schneiders Valentin Tuscinsky in Trier; sie starb 80 Jahre alt, am 15.1.1877 in Ilmenau) und an seine Ehefrau Julie geb. Tuscinsky zu zahlen hatte, übernehmen. Am 1.10.1875 hatten sie ferner an Höhn jene 2000 Thaler, die sie als ihren Anteil an der Hypothek Leopold Häusgens übernommen hatten, zu zahlen.
  • Höhn war mit der Entrichtung der Zinsen bei seiner Schwiegermutter, bei seiner Frau und bei Leopold Häusgen im Rückstand. Die Zahlung der Rückstände mussten die Metzlers übernehmen.
  • Anderseits waren die Metzlers im Rückstand mit der Zinszahlung für ihre Schuld bei Höhn. Sie mussten nunmehrige Tilgung versprechen.
  • Bei pünktlicher Zinszahlung sollten den Brüdern Metzler die Hauptforderungen von Höhn, von dessen Ehefrau und von seiner Schwiegermutter 6 Jahre lang nicht gekündigt werden.

Es war bei dem schlechten Geschäftsgang und dem mangelhaften Zustand der Fabrik, wie des ganzen Unternehmens vorauszusehen, dass die beiden Metzler den übernommenen Verpflichtungen schwerlich würden nachkommen können. Um die Fabrik überhaupt im Gang zu bringen, brauchten sie weitere Geldmittel, vor allem aber eine energische käufmännische Kraft, die den Betrieb einer Porzellanfabrik gründlich kannte und zu leiten verstand. Denn beides ging ihnen völlig ab. Rudolf Metzler hatte sich daher schon, als der Austritt Höhns drohte, an den ihm vom Gräfental her bekannten Hugo Ortloff aus Coburg, Buchhalter bei Lorenz Hutschenreuther in Selb, und von diesen hochgeschätzt, gewendet, zunächst (19.4.1875) um Rat, dann mit der Anregung in das Ilmenauer Geschäft als Teilhaber einzutreten.

Verhandlungen mit Hugo Orloff

Diese Bemühungen wurden um so dringender, je mehr Höhn mit seinem Austritt drängte. Hugo Ortloff war nicht abgeneigt, in das Geschäft einzutreten, er wollte jedoch vorher sich die Verhältnisse an Ort und Stelle ansehen und vor allem offen mit seinem Prinizpal Hutschenreuther reden, der die beiden Metzler übrigens kannte, sich auch 1873 oder 1874 die Fabrik in Ilmenau angesehen und den Metzlers auf ihre Bitte sogar gemeinsam mit Robert Metzlers Schwiegervater Radefeld (Registrator in Gräfental) 2000 Thaler vorgeschossen hatte.

Am 5.6.1875 fuhr Ortloff mit Hutschenreuthers Einwilligung über Gräfental nach Ilmenau. Seine Wahrnehmungen legte er in einem Bericht an Hutschenreuther nieder. Den Metzlers gegenüber erklärte er sich bereit in Selb zu kündigen und am 1.10.1875 in Ilmenau als Teilhaber einzutreten. Der Bericht an Hutschenreuther ging dahin: „Die Grösse des Etablissements habe seine Erwartungen übertroffen. Die Qualität des Porzellans sei gut (geeignet zu Puppenköpfen, Badekindern und auch kleineren Gebrauchsgeschirren). Beim Ausnehmen eines Brandes sei er zugegen gewesen (hauptsächlich Kruken und Puppenartikel), und es habe sich wenig gelbes, graues und verzogenes Porzellan ergeben. Weit unter seinen Erwartungen aber sei die Ausdehnung der Fabrikation gewesen. Die grossen Gebäude hätten fast völlig leer gestanden. Das ganze Personal habe bestanden aus 7 Drehern (einschliesslich Lehrlingen), 5 Giesern, 5 Puppenmalern, 2 Brennern und einigen Glasurerinnen. Mehrere Arbeiterinnen im Puppenfach sollten zu Hause beschäftigt sein. Die Massemühle (20 Kübel) sei gut. Die Warenvorräte seien gering. Etwas Aussenstände solten vorhanden, die Passiva unbedeutend sein. Der Betrieb sei unter diesen Verhältnissen wenig lohnend. Zum Fortbestehen sei ein ganz anderer Geist erforderlich und ein Ausdehnen der Fabrikation, die jetzt unmöglich drei Familien ernähren und die Schuldentilgung gestatten können. Bei fachmännischer Leitung und bei einigen Glück werde die Fabrik bald anders dastehen. Er wolle in Gottes Namen den Versuch wagen, eingedenk des Wohlwollens von Hutschenreuther und dessen Versprechens, ihm weitere Schritte so viel wie möglich zu erleichtern, wenn er wirklich nach Ilmenau gehe.“

Den beiden Metzlers fiel ein Stein vom Herzen, als Ortloff ihnen seinen Beitrittsentschluss mündlich und dann nach Rücksprache mit seinem Chef telegraphisch (11.6.1875) mitteilte. Nach ihren Briefen an Ortloff waren sie in einer äusserst schwierigen Lage, wussten aber jetzt, dass sie nun eine tüchtige Kraft bekamen. Hutschenreuther freilich warnte Ortloff, den er nur höchst ungern verlieren mochte, dringend, sich auf sein so zweifelhaftes Unternehmen einzulassen, erklärte auch, dass Ortloff, wenn es in Ilmenau nicht klappen sollte, jederzeit wieder bei ihm eintreten könne. (In der Tat kam Ortloff 1876 der Bitte Hutschenreuthers, doch ein Vierteljahr wieder in Selb tätig zu werden und in die seit Ortloffs Weggang verlotterten und verworrenen Kontoverhältnisse Ordnung zu bringen, nach, und wohnte bei Hutschenreuther und wurde von diesen glänzend bezahlt.)

Bei den Ilmenauer Vertragsverhandlungen regten sie beiden Metzler an, Ortloff möge nicht nur beitreten, sondern auch zur Behebung der Geldknappheit Betriebsmittel beschaffen, durch Anleihen bei seinem Vater, seinem Schwiegervater, vielleicht auch bei Hutschenreuther und sogar bei seinem früheren Prinzipal Schneider in Gräfental (Inhaber der Porzellanfabrik Unger, Schneider & CO. daselbst und übrigens Schwiegervater des älteren Rudolf Metzler). Ortloff lehnte dies ab, schickte aber aus eigenen Ersparnissen am 24.6.1875 500 Thaler. Am 28.7.1875 wurde Höhns Ausscheiden vor Gericht zu Protokoll genommen.

In einem zweiten Protokoll vom gleichen Tage erklärten die Brüder Metzler, dass sie das Geschäft auch nach dem Austritt Höhns fortzusetzen gedächten und zwar unter der Firma Gebr. Metzler & Ortloff. Der Buchhalter Hugo Ortloff in Selt trete nämlich unter gewissen privatin vereinbarten Bedingungen in die Firma ein. (Die Bedingungen standen übrigens damals, wie der Briefwechsel ergibt, noch keineswegs fest, es wurde vielmehr in den nächsten Wochen noch darüber korrespondiert.).

Beitritt von Hugo Orloff

Hugo Ortloff trat in Selb zu notariellem Protokoll obiger Erklärung bei. Das war die Gründung der neuen Firma „Gebr. Metzler & Ortloff“. Sie wurde am 16.8.1875 ins Handelsregister eingetragen.

Weitere Ansprüche Höhns

Mit der Abfindung Höhns für sein Ausscheiden aus der Gesellschaft glaubten die Brüder Metzler jenen nun los zu sein. Darin hatten sie sich jedoch gründlich getäuscht. Denn nun belehrte sie Höhn, dass er zwar nicht mehr Sozius, aber noch zu einem Drittel Eigentümer der Fabrik nebst Walkmühle und Mühlgraben sei, und für Aufgabe dieses Eigentumsrechts natürlich besonders entschädigt werden müsse. Sie waren, wie Robert Metzler am 29.7.1875 an Hugo Ortloff nach Selb schrieb wie vom Blitz getroffen, hielten Höhns Standpunkt für ungerechtfertigt, wollten einen tüchtigen Rechtsanwalt in Jena aufsuchen, mussten sich aber überzeugen lassen, dass nichts zu machen war; sie hätten sich das bei den Verhandlungen über den Austritt Höhns überlegen sollen. Höhn verlangte nun noch (und erhielt zugesagt, Vertrag vom 1.10.1875, gerichtlich bestätigt am 21.10.1875) weitere 10350 M in bar (1500 M davon für das Inventar gerechnet), zu zahlen mit je 350 M jährlich bis 31.7.1878, der Rest von 900 M bis 1.8.1884, ferner Bestellung einer Hypothek für diese 10350 M und Übernahme zweier bereits aufhaftender Hypothekken für 1500 Thaler Darlehen der Witwe Christiane Tuspinsky geb. Reinnitz und für 1500 Thaler Darlehen der Ehefrau Höhns. Seufzend gingen die Brüder Metzler auf alles dies ein. Anfang Oktober 1875 siedelte Ortloff nach Ilmenau über.

Aufstieg der Firma Gebr. Metzler & Ortloff

Nach anfänglichen Misserfolgen durch schlechte Brände und Kundenmangel trat schon im folgenden Jahre ein Umschwung ein, und von da ab ging es mit der Fabrik unaufhaltsam aufwärts dank der persönlichen Tüchtigkeit und Rührigkeit Ortloffs, seiner kaufmännischen Erfahrung und seinem soliden Geschäftsgebahren. Die Leitung ausschliesslich in seinen Händen. Doch hatten die Brüder Metzler, jeder auf seine Weise, ebenfalls ihre Verdienste.

Übergang des Grundbesitzes auf die Firma 1878

In den ersten Jahren waren die Grundstücke des Betriebes: Fabrik, Mühle und Mühlgrabenanteil immer noch auf die Brüder Metzler allein und persönlich im Kataster eingetragen, nicht auf die Firma (Band 31, Blatt 717 der Grundakten von Ilmenau). Man hatte, sei es der Kosten wegen oder aus anderen Gründen die Überschreibung auf die Firma verschoben. Erst durch Vertrag vom 31.3.1878 (gerichtlich bestätigt 18.5.1878) wurde der Besitz auf die Firma übertragen (Band 34, Blatt 257 der Grundakten). Als Kaufpreis wurden 1500 M angenommen. Vorbehalten blieben:

  • Hypothek für 1500 Thaler Kaufgelderrest, zediert an Frau Juliane Höhn geb. Tuscinsky, auf Fabrik und Mühle,
  • Hypothek für 1500 Thaler nebst 5% Zinsen Darlehen derselben, auf die Fabrik
  • Hypothek für 1500 Thaler nebst 5% Zinsen der Frau Christiane Tuscinsky geb. Reinitz, auf Mühle und Mühlgraben
  • Hypothek für 10350 M nebst 5& Zinsen Kaufgelderforderung des Gustav Adolf Höhn, auf Fabrik und Mühle,
  • Servität für die Besitzer des Gasthofs „Zur Tanne“ auf einem Teile des Mühlgrabenanteils.

Zu dieser Servitat ist zu bemerken: Durch Verträge vom 6.12.1874 und 11.12.1874 nebst Anhang vom 12.2.1875 zwischen den damaligen Mühlgrabeneigentümern (Gustav Adolf Höhn, Rudolf und Robert Metzler, Ilmenauer Porzellanfabrik A.G., Franz Wenzel, Henriette Heusinger, Christian Friedrich Korb) seinerseits und dem Gastgeber „Zur Tanne“, Wilhelm Höhn, andererseits war letzterem und seinen Rechtsnachfolgern im Besitze der „Tanne“ das Recht eingeräumt worden, den Mühlgraben da, wo dieser der Ilm wieder zufliesst, also zwischen der Schleusinger Strasse und dem Ilmflusse zu überwölben und auf der Überwölbung eine Wagenremise bauen zu lassen. (Das Verhältnis sollte gekündigt werden können mit halbjähriger Kündigungsfrist, aber nur von amtlichen Mühlgrabeneigentümern; Wilhelm Höhn bzw. seine Rechtsnachfolger sollten dann den Oberbau, die Remise, abbrechen dürfen, das Gewölbe aber stehen lassen müssen.) Anderseits haben die Mühlgrabenbesitzer nach einer Urkunde vom 27.1.1898 das Recht, zwecks Reinigung und Ausbesserung des Mühlgrabenbettes, zwecks sonstiger Besichtigung, Fischerei oder zu irgendeinem anderen Zwecke üer das Grundstück Nr. 290 (1898 dem Besitzer des Gasthofs „Zur Tanne“, Max Berlet, gehörig) zu gehen, Berlet muss seinen Zugangsweg offen halten. Die „Tanne“ ist später wiederholt in anderen Besitz übergegangen, die Servitat besteht noch.

Weitere Grundstückserwerb 1886

An der Bücheloher Chaussee besass die Witwe Gustav Höhns, Juliane geb. Tuscinsky, bis 1896 ein neben dem ungebauten Fabrikgrundstück Nr. 2430 gelegenes Grundstück Nr. 2430(a) des Katasters, 1 ha 21 a 73 qm Artland und 7 a 73 qm Weg. Um einer etwaigen unliebsamen Nachbarschaft vorzubeugen und eine vielleicht nötig werdende Ausdehnung der Fabrik zu ermöglichen, kaufte die Firma Gebr. Metzler & Ortloff auf Ortloffs Betreiben im Dezember 1886 das Grundstück für 12000 M an. Es handelte sich jedenfalls um das Land, auf dem die spätere Ingeneurschule des Professors Georg Schmidt errichtet wurde. 1892 und 1902 trat die Firma davon je ein Stück an die Stadtgemeinde ab zur Anlegung einer Strasse (Wilhelmstrasse). 1926 ging das Grundstück bei der noch später zu erwähnenden Abfindung der Rudolf Metzler’schen Erben in deren Besitz über. Sie verkauften es gleich wieder mit bedeutenden Vorteil an den Professor Schmidt, der die Ingeneurschule darauf errichtete. 1896 verkaufte die Firma dem Rentner Karl Alfred Hugo Teufel in Ilmenau 5 a 95qm vom Fabrikgrundstück, liess aber für die jeweiligen Besitzer des letzteren die freie Benutzung eines Weges an der Grenze (Südgrenze) für Fuhren jeder Art, also nicht nur für Oekonomiefahren, vorbehalten.

Nach der häufigen und komplizierten Umnummerierung, Neukatastrierung, Zusammenlegung und Trennung der gesamten Fabrikgrundstücke an der Berg- und Wilhelmstrasse gestaltete sich nach Anlegung des Grundstücks für Ilmenau die Benennung im Kataster folgendermaßen (Stand vom 21.6.1943):

  • Nr. 308, 93 a 83 qm Hofraite, Garten, Artland, Lehde an der Bergstrasse und an der Wilhelmstrasse, nämlich
  • 22 a 84 qm bewohnbares Gebäude
  • 4 a 6 qm Nebengebäude
  • 28 a 94 qm Hofraum
  • 11 a 50 qm Garten
  • 22 a 68 qm Artland
  • 3 a 81 qm Lehde

Die Grunddienstbarkeit gegen die Teufel’schen 5a 95 qm blieb bestehen. Die früheren Hypotheken Höhn, Tuscinsky, Häusgen waren im Laufe der Jahre abgelöst worden.

Erwerb der Saidswiese 1883

Von der Fabrik durch das ehemals August Hertzer’sche Anwesen, die heutige Wirtschaft „Tivoli“, getrennt, liegt nach der Stadtseite zu die sogenannte Saidswiese, die ursprünglich bis auf den Schlossgarten (heute „Am Schlossgarten“) im Süden stiess und 35a 93 qm umfasste. Den Namen führt die nach einem früheren Besitzer Said oder Sait. Im Volksmund hiess sie die Salzwiese. Eigentümer waren in den 70er und Anfang der 80er Jahre der Kaufmann Georg Morgenroth (Johann Georg Christoph Morgenroth, geb. 17.3.1803 in Oberpörlitz, gest. 5.2.1883 in Ilmenau), nach dessen Tode seine zahlreichen Erben (seine Witwe Pauline Dorothea Morgenroth, geb. Hak in Ilmenau, Kaufmann Gottlieb Morgenroth in Gotha, Kaufmann Wilhelm Jakobskötters Ehefrau Amalie geb. Morgenroth in Erfurt, Oekonom Karl Morgenroth in Klein-Grabe usw. 1883 erwar (Überzeichnungsurkunde vom 31.8.1883) die Firmfa Gebr. Metzler & Ortloff, wiederum auf den Rat von Hugo Ortloff, die Wiese für 2600 M. Später ward sie unter Abtrennung eines für die sogenannte Halde der Fabrik nötigen Teils andersweit verkauft, das oberste Stück (an der Bergstrasse) an Dr. Hugo Ortloff, der grössere untere Teil (nach der Schlossmauer zu) im Wege der schon erwähnten Abfindung der Rudolf Metzler’schen Erben an diese.

Ableben der Gründer

Von den Gründern der Firma starb Rudolf Metzler (geb. 8.9.1834 in Sonneberg) am 14.6.1899 in Ilmenau. An seine Stelle traten im Fabrikanteil mit dem 15.6.1900 seine beiden Töchter Jenny verehel. Klett in Ilmenau und Paula verehel. Heinrich in Magdeburg, jedoch ohne Vertretungsbefugnis. Hugo Ortloff (geb. 14.1.1844 in Coburg) starb am 24.11.1911 in Ilmenau, Robert Metzler (geb. 8.6.1844 in Sonneberg) am 24.11.1915 in Ilmenau.

Übergang der Firma auf Dr. Hugo Ortloff und Viktor Metzler, 1907

Ab 1.1.190 gingen die Geschäftsanteile von Hugo Ortloff und Robert Metzler auf deren Söhne, Dr. Hugo Ortloff (geb. 19.3.1874 in Selb) und Viktor Metzler (geb. 20.8.1875 in Ilmenau) über. Bereits unter dem 19.12.1906 hatte Hugo Ortloff sen. mit Dr. Hugo Ortloff einen Vertrag geschlossen, durch welchen er seinen Fabrikanteil (1/3) für einhunderttausend Mark, fällig nach dem Tode des Letztlebenden des Ehepaares Hugo Ortloff sen. und bis zur Zahlung mit 4% jährlich verzinslich, abtrat. Da es wünschenswert erschien, dass Hugo Ortloff sen. seine Erfahrung und Arbeitskraft noch weiterhin der Firma zur Verfügung stellte, übernahm er, ohne an Geschäftsstunden gebunden zu sein, die Führung der Geschäftskasse und die erforderlichen Kalkulationen, sowie die Führung der Geheimbücher. Es blieb ihm überlassen auch sonst noch im Geschäft tätig zu sein, wie er wollte.

Auch Robert Metzler stellte nach seinem Ausscheiden seine Kraft noch der Firma zur Verfügung. Viktor Metzler verheiratete sich am 25.5.1907 mit Elsbeth Just von Geraberg, Dr. Hugo Ortloff am 28.10.1909 mit Sophie Emilie Wiegk von Coburg. An namhaften Beamten und Angestellten der Firma mögen erwähnt sein:

Robert Abicht:

Robert Abicht, ein tüchtiger und erfolgreicher Reisender der Firma. Erschied nach 27-jähriger Tätigkeit am 1.1.1907 aus, nachdem ihm im Juli 1906 ein Schlaganfall die Schwingen gelähmt hatte.

Karl Haftmann

Sein 25-jähriges Dienstjubiläum bei der Firma feierte am 1.11.1907 Karl Haftmann, am 1.11.1932 das 50-jährige. Von ihm, der lange Zeit Prokurist war, wird jedoch später noch zu reden sein.

Helene Fischer

Fräulein Helene Fischer, seine Nachfolgerin in der Prokura seit 10.1.1934, ist seit 31.1.1916 im Geschäft tätig. Mit grosser Umsicht, Rührigkeit und Zuverlässigkeit und mit regen Interesse am Gedeihen der Firma leitet sie zur Zeit die Geschäfte ganz im Geiste des am 21.6.1942 verstorbenen Dr. Hugo Ortloff.

Massemühle, Mühlgraben

Was die Massemühle und den Mühlgrabenanteil der Firma betrifft, so ist bereits oben gesagt worden, dass die Mühle, die ehemalige Walkmühle des Weissgerbermeisters Müller von Müller am 20.1.1865 auf Gustav Adolf Höhn überging, ebenso Müllers 1/5 Anteil am Mühlgraben, dann teilweise auf die Brüder Metzler und endlich 1876 auf die Firma. Die Mühle Nr. 643 des Katasters, 2a 70qm „Hofraite und Graben an der Schleusinger Strasse“) gehört noch jetzt der Firma allein; ebenso ist diese noch jetzt Eigentümerin zu 1/5 am Mühlgraben; die anderen 4/5 gehören zu 3/10 dem Kaufmann Franz Wilhelm Wenzel in Ilmenau, zu 1/5 dem Turnerbund e.V. in Ilmenau. Letzterer hat seinen Anteil am 24.11.1930 von der Firma Holzindustrie GmbH in Ilmenau mit dem ehemals Hermann Korb’schen Grundstück im Maneacher Tal erworben; die beiden Wenzel haben ihre Anteile von ihrer Mutter, Frau Marie Wenzel geb. Hundrich, erworben, die ihrerseits den Besitz laut Erbübereignungsurkunde vom 30.4.1927 als Rechtsnachfolgerein ihren verstorbenen Ehemannes, des Sägewerksbesitzers Max Wenzel in Ilmenau, erworben hatte.

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