ESCHENBACH

Eduard Haberländer gründete 1916 die Porzellanfabrik Eduard Haberländer in Windischeschenbach. 1929 übernahm die Porzellanfabrik Oscar Schaller & CO. Nachfolger die Fabrikation und stellte die Produktlinie unter einem neuen Konzept. Die Bodenmarke Eschenbach wurde eingeführt. Prof. Theodor Kärner kam nach dem Ende des II. Weltkrieges nach Eschenbach und brachte aus seiner Allacher Zeit viele der dort verwendeten Modelle mit nach Eschenbach (Porzellan-Manufaktur Allach).

1950 wurde das Werk Windischeschenbach in den Winterlin Konzern eingegliedert und hatte 1977 um die 700 Mitarbeiter. Im November 2000 wurde im Winterling Konzern der Konkurs angemeldet. Die in der Zwischenzeit eingegliederte Porzellanfabrik Hutschenreuther Werk A in Selb wurde an die Rosenthal AG verkauft. Seit November 2000 ist der Winterling Konzern mit Stammsitz in Kirchenlamitz Geschichte.

Die Porzellanfabrik Eschenbach produzierte überwiegend Service und Zierporzellan. Die Kunstabteilung wurde nach dem II. Weltkrieg durch Professor Theodor Kärner aufgebaut. Alte Serien von Porzellanservicen sind für den Ankauf nicht von Bedeutung. Was wir von Eschenbach Porzellan suchen, sind Figuren aus der ehemaligen Kunstabteilung Eschenbach. Tierfiguren sowie Kunstporzellan können Sie uns gerne zum Ankaufen anbieten. Herstellt wurden überwiegend Tierfiguren. Die Bodenmarke „Eschenbach Bavaria Porzellan“ mit Signatur Kärner und eventuell Zusatz „Kunstabteilung“.

Stefan Stroessenreuther

Antikhandel Selb

PROF. THEODOR KÄRNER

In den Jahren 1947 – 1953 war Kärner als Leiter der Kunstabteilung der Porzellanfabrik Eduard Haberländer, später Oscar Schaller & Co. Nachfolger (gegr. 1913) in Windischeschenbach. Es wurden ca. 51 Kärner Modelle in Eschenbach hergestellt. Gegen die Neuformung protestierte jedoch die Porzellanfabrik Rosenthal, für die Kärner 1953 als freier Mitarbeiter wieder tätig war, und übernahm im gleichen Jahr die gesamte Kunstabteilung mit den Kärner-Modellen von Windischeschenbach. Wenige Jahre vor seinem Tod 1966 entwarf Theodor Kärner eine Serie von 12 gleichgroßen Zierwandtellern, die ausschliesslich im Stahlstich ausgeführt wurden. Diese wurden 1962-1963 von Kärner entworfen und in der Lindner Porzellanfabrik KG (gegr. 1929) in Küps hergestellt.

BIOGRAFIE THEODOR KÄRNER

Theodor Kärner (* 10. Januar 1884 in Hohenberg an der Eger; † 6. September 1966 in München) war ein deutscher Porzellanbildner und Tierbildhauer. 1898-1903 absolvierte Kärner eine Ausbildung zum Modelleur bei der Firma Hutschenreuther. Danach besuchte er die Bildhauerklasse von Professor Heinrich Waderé (1865–1950) sowie die Klasse für dekorative Plastik von Professor Anton Pruska (1846–1930) an der kgl. Bayrischen Kunstgewerbeschule in München. Zwischen 1914 und 1921 war er bei dem Tiermaler Professor Heinrich von Zügel (1850–1941) an der Akademie der Bildenden Künste München als Gasthörer, und später in Abendkursen inskribiert.

Seit 1905 bis 1918 arbeitete er in Festanstellung als Bildhauer in der Porzellanmanufaktur Nymphenburg in München. Zwischen 1918 und 1934 dann als freier Mitarbeiter bei der Firma Rosenthal in Selb. 1917 kaufte Philipp Rosenthal (1855-1937) das Porzellanwerk in Bahnhof-Selb. Obwohl zur AG gehörend, blieb es zunächst Privateigentum des Firmeninhabers. Um 1922 setzte dort die Produktion von Kunst- und Zierporzellan in vollem Umfang ein. Ab diesem Zeitpunkt dürfte mit der ständigen Mitarbeit Theodor Kärners dort zu rechnen sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit hielt sie bis weit über 1934 hinaus an, obwohl der Bildhauer dem Hauptwerk in Selb bereits gekündigt hatte.

Allach Porzellan

Professor Theodor Kärner arbeitete von ca. 1936 bis 1945 für die Porzellanmanufaktur Allach

In der Porzellanmanufaktur Allach war er anschließend bis 1945 als künstlerischer Leiter angestellt. Die Porzellanmanufaktur Allach war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Betrieb der SS mit Außenstelle Dachau. Theodor Kärner wurde dort in den Rang eines SS-Hauptsturmführers ehrenhalber erhoben. Am 20. April 1938 folgte eine Ernennung zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste München. 1940 nahm er an der Großen Deutschen Kunstausstellung im „Haus der Deutschen Kunst“ in München teil. Bei der Ausstellung Deutsche Künstler und die SS 1944 in Breslau wurde von ihm ein „Malachowsky-Husar“ ausgestellt.

Im Rahmen der Entnazifizierung war er von 1945-47 im Lager Moosbach interniert. Nach seiner Entlassung war Kärner in den Jahren 1947-1953 Leiter der Kunstabteilung der Porzellanfabrik Eduard Haberländer in Windischeschenbach. Dort wurde ein Teil der Kollektion aus Allach übernommen und weiter produziert. Rosenthal beschäftigte Theodor Kärner 1953 erneut als freien Mitarbeiter und übernahm im gleichen Jahr die Kunstabteilung aus Windischeschenbach mit sämtlichen Allacher Kärner-Modellen, die bis zur Schließung der Kunstabteilung in Selb dort ausgeführt wurden. Bekannt sind zur Zeit von Theodor Kärner: 88 Modelle für Nymphenburg, 114 Modelle für Rosenthal und 51 Modelle für Allach.